Multimodalität: Verkehrsmittel klug verknüpfen
Kurz gesagt
Multimodal unterwegs ist, wer je nach Weg das passende Verkehrsmittel wählt: mal das Auto, mal Bus und Bahn, mal das Rad. Damit das klappt, müssen die Übergänge funktionieren, an Park-and-Ride-Anlagen, Mobilstationen und in einer App, mit der man plant, bucht und bezahlt. Die meisten Autofahrer sind offen dafür. Entscheidend sind Erreichbarkeit und Zuverlässigkeit.
Was Multimodalität bedeutet
Multimodal heißt, in einer Woche verschiedene Verkehrsmittel zu nutzen, je nachdem, welches für den jeweiligen Weg passt. Intermodal heißt, mehrere Verkehrsmittel auf einem einzigen Weg zu kombinieren, etwa mit dem Auto zum Bahnhof und weiter mit der S-Bahn. Bus, Bahn, Rad und Fußverkehr zusammen heißen Umweltverbund. Roman Suthold fasst die Richtung so zusammen:
„Öffentlicher Verkehr wird individueller und individueller Verkehr wird öffentlicher.“
Apps machen das möglich. Wer Bus, Bahn, Leihrad, Carsharing und Parkplatz in einer Anwendung findet, bucht und bezahlt, denkt in Wegeketten statt in Verkehrsmitteln. Fachleute nennen das Mobility as a Service: ein Anbieter bündelt die Angebote verschiedener Verkehrsmittel und bietet sie über ein Portal an.
Warum es auf die Übergänge ankommt
Autofahrer sind überwiegend offen für die Mobilitätswende. Viele kennen die Alternativen aber kaum oder nutzen sie nicht, das zeigt eine ADAC-Umfrage von 2022 mit 2.000 Befragten. Den Ausschlag geben Erreichbarkeit und Zuverlässigkeit. Wer mit dem Auto aus dem Umland kommt, steigt nur um, wenn der Wechsel einfach ist und der Anschluss sicher klappt.
Dazu kommt die Mobilitätskultur. Was in Berlin-Kreuzberg funktioniert, passt nicht automatisch nach Duisburg-Marxloh oder Dortmund. Jede Stadt und jede Region braucht ihren eigenen Weg.
Park and Ride: der Schlüssel für Pendler
Viele Pendlerinnen und Pendler starten im Umland mit dem Auto. Ob sie am Stadtrand in Bus und Bahn wechseln, entscheidet sich an der Park-and-Ride-Anlage. Der ADAC hat 2019 bundesweit 60 Anlagen getestet, ein Drittel schnitt gut oder sehr gut ab. Im Raum Köln und Düsseldorf waren es 5 von 12. Die häufigsten Mängel:
- keine Prognose zur Auslastung im Internet, Angaben zu Lage, Preis und Stellplatzzahl oft unvollständig
- bei jeder vierten Anlage kein freier Stellplatz
- kaum Ladesäulen für E-Autos, oft keine oder unzureichende Videoüberwachung
- bei über der Hälfte keine Fußwege im Parkbereich
- ungünstige Reisezeit Richtung Innenstadt, bei einigen Anlagen mehr als 20 Minuten Wartezeit auf Bus oder Bahn
Daraus leitet Roman Suthold konkrete Forderungen ab (Landtag NRW 2024, VRR-Foren 2026):
- Bus und Bahn mindestens im 20-Minuten-Takt
- ausreichend große Anlagen, Parkberechtigung an ein ÖPNV-Ticket koppeln oder die Parkdauer begrenzen, damit Dauerparker die Plätze nicht blockieren
- stark genutzte Anlagen am Stadtrand teurer als weiter entfernte, damit nicht alle bis an die Stadtgrenze fahren, und ÖPNV-Tarife ohne große Preissprünge für die entfernteren Anlagen
- Belegung und Abfahrtszeiten online, idealerweise mit Reservierung in einer Mobilitäts-App
- bedarfsgerechte Ladepunkte bei Um- und Neubau, dazu Licht, Überdachung und Barrierefreiheit
Utrecht staffelt die Preise. Park and Ride am Stadtrand kostet dort 4,50 Euro am Tag, Parken mit anschließendem Fußweg oder Rad 1,50 Euro pro Stunde oder 8 Euro am Tag, Parken im Zentrum 4 Euro pro Stunde.
Bike and Ride
Fahrradstellplätze am Bahnhof kosten weniger als Autostellplätze und brauchen wenig Platz, deshalb lassen sie sich in großer Zahl bauen. Viele P+R-Plätze im Umland sind heute von Anwohnern belegt, die genauso gut zu Fuß oder mit dem Rad kommen könnten. Park and Ride und Bike and Ride gehören deshalb zusammen geplant. Gute Bike-and-Ride-Anlagen sind sicher und überdacht, denn die Räder werden teurer und zahlreicher.
Mobilstationen
Eine Mobilstation bündelt an einem Ort, was man zum Umsteigen braucht: Bahn- und Bushaltestelle, Carsharing, Leihräder, Park and Ride und Bike and Ride, Ladesäulen, Information und Beratung. Hamburg hat solche switchh-Punkte schon 2015 eingerichtet, in Nordrhein-Westfalen gibt das Zukunftsnetz Mobilität NRW mit seinem Handbuch Mobilstationen eine Planungshilfe. In Wohnvierteln lassen sich Quartiersgaragen zu Mobilstationen ausbauen. Beim Carsharing empfiehlt Roman Suthold stationsbasierte Angebote, weil sie eher ein eigenes Auto ersetzen als Free-Floating-Angebote.
Fahrdienste und Pooling
Fahrdienste wie Uber vermitteln in Deutschland Mietwagen mit Fahrer, private Fahrer sind nicht erlaubt. Gebündelte Fahrten mit mehreren Fahrgästen, das Pooling, sind nur als kommunal genehmigter gebündelter Bedarfsverkehr zulässig. In Städten ist die Wirkung zwiespältig. Die Angebote sind leicht zugänglich und schließen Lücken, etwa nachts. Sie erzeugen aber auch Leerfahrten, Park- und Haltebedarf und machen dem ÖPNV Konkurrenz. In US-Studien wären 49 bis 61 Prozent der Fahrten ohne den Fahrdienst gar nicht unternommen worden. Auf dem Land können On-Demand-Angebote den ÖPNV in Randzeiten ergänzen, ersetzen können sie einen unterfinanzierten ÖPNV nicht.
Stadt und Land: gleiche Ziele, andere Werkzeuge
In der Stadt geht es um dichte Takte, Platz für Rad und Fußverkehr und gute Umstiege. Auf dem Land ist das Auto das Rückgrat der Mobilität. Dort helfen Mobilitätsknoten und lokale Mobilpunkte, die Bus, Rad und Auto verknüpfen, und ein bedarfsgerechter ÖPNV als Teil der Daseinsvorsorge. Mehr dazu auf der Seite ÖPNV.
Was Kommunen und Verkehrsverbünde tun sollten
- Einheitliche Qualitätsstandards für Park-and-Ride-Anlagen, zum Beispiel nach den ADAC-Testkriterien
- Smarte Pendlerparkplätze mit Belegungsanzeige und Reservierung in der App
- Ein Ticket für Parken und Fahrt
- Bike and Ride ausbauen, sicher und überdacht
- Mobilstationen an Bahnhöfen und in Wohnvierteln
- Zusammenarbeit über Stadtgrenzen hinweg, denn Pendlerströme enden nicht an der Gemeindegrenze
Sein Merksatz dazu: „Umsteigen muss sich lohnen!“
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Multimodalität und Intermodalität?
Multimodal ist, wer über die Woche verschiedene Verkehrsmittel nutzt. Intermodal ist ein einzelner Weg, auf dem mehrere Verkehrsmittel kombiniert werden, etwa Auto und Bahn bei Park and Ride.
Was ist Park and Ride?
Park and Ride (P+R) heißt, das Auto an einer Anlage am Stadtrand oder an einem Bahnhof abzustellen und mit Bus oder Bahn weiterzufahren. Das spart Zeit oder Geld und entlastet die Innenstädte.
Was ist Bike and Ride?
Bei Bike and Ride (B+R) fährt man mit dem Rad zur Haltestelle, stellt es dort sicher ab und fährt mit Bus oder Bahn weiter. B+R-Anlagen sind günstiger und platzsparender als P+R-Anlagen.
Was ist eine Mobilstation?
Ein Ort, an dem mehrere Verkehrsmittel verknüpft sind: Haltestelle, Carsharing, Leihräder, Fahrradstellplätze, Ladesäulen und Information. Sie macht das Umsteigen einfach.
Was ist der Umweltverbund?
Der Sammelbegriff für Bus und Bahn, Rad- und Fußverkehr, oft ergänzt um Sharing-Angebote.
Quellen
- Suthold, R. (2026): Multimodalität, der Übergang vom Individualverkehr zum öffentlichen Verkehr. Vortrag bei den kommunalpolitischen Foren des VRR in Rees, Düsseldorf und Dortmund
- ADAC in NRW (2024): Stellungnahme 18/1308 zur Anhörung „Welche Rolle spielen Park&Ride-Plätze für die Verkehrswende?“ im Landtag NRW, 6. März 2024
- ADAC e. V. (2019): ADAC testet P+R-Anlagen im Raum Köln und Düsseldorf
- Koch, H.; Suthold, R. (2015): Innovatives Parkraum-Management und -Pricing. Städte- und Gemeinderat 7-8/2015
- Suthold, R.; Krusche, M. (2020): Flächenkonkurrenz im begrenzten Straßenraum. KommunalPraxis spezial 3/2020
- ADAC-Umfrage 2022 (n = 2.000); ADAC Monitor „Mobilität auf dem Land“
Persönliche fachliche Auffassung von Roman Suthold. Stand: 6. Oktober 2026.