Parkraumbewirtschaftung: ein Leitfaden für Kommunen
Kurz gesagt
Parkraumbewirtschaftung regelt, wo, wie lange und zu welchem Preis im öffentlichen Straßenraum geparkt werden darf. Sie ist ein zentraler Hebel gegen den Parksuchverkehr, der bis zu 40 Prozent des städtischen Verkehrs ausmachen kann. Am meisten bringt sie, wenn eine Stadt große Teile ihrer Straßen bewirtschaftet und zugleich gute Alternativen zum Auto anbietet. Das wirkt stärker als hohe Gebühren und findet eher Mehrheiten.
Was Parkraumbewirtschaftung ist
Parkraumbewirtschaftung umfasst die Regeln für das Parken im öffentlichen Straßenraum: Parkgebühren, Höchstparkdauer, Bewohnerparken, Lieferzonen und ihre Kontrolle. Zusammen mit privaten Stellplätzen, Parkhäusern, Quartiersgaragen und der Stellplatzsatzung ergibt sich daraus das Parkraummanagement einer Stadt. Es steuert den Verkehr ökonomisch und ökologisch und beeinflusst, wie flüssig er abläuft.
Warum das Parken der Hebel ist
Ein Auto steht im Schnitt 23 Stunden am Tag. In Deutschland gibt es rund 160 Millionen Stellplätze, ausgelastet sind sie höchstens zu etwa 70 Prozent. Trotzdem kreisen viele Autofahrer durch die Viertel. Bis zu 40 Prozent des städtischen Verkehrs hängen mit der Parkplatzsuche zusammen. Nach einer Studie von INRIX verliert jeder Autofahrer in Deutschland dadurch rund 41 Stunden und 900 Euro im Jahr.
Modellprojekte wie ParkPilot in Köln haben gezeigt, dass sich bis zu 50 Prozent dieses Suchverkehrs vermeiden lassen. Jeder vermiedene Suchkilometer entlastet die Anwohner, ohne dass jemand sein Auto abschaffen muss. Werden die vorhandenen Stellplätze besser ausgelastet, kann eine Stadt außerdem Parkstände für Rad, Bus oder breitere Gehwege umwidmen.
Der Werkzeugkasten
Gebühren nach Ort und Zeit
Parkgebühren sollten sozialverträglich und transparent sein und nach Ort und Zeit unterscheiden: zentrumsnah mit hohem Parkdruck teurer als am Stadtrand, zu Spitzenzeiten teurer als nachts. Es darf nicht der Eindruck entstehen, Gebühren würden willkürlich festgelegt oder dienten vor allem der Haushaltskasse. In Köln haben sich die Einnahmen aus Parkgebühren von 2001 bis 2013 mehr als verdoppelt.
Preise nach Auslastung
Sensoren in der Fahrbahn oder über Kopf messen, wie voll ein Gebiet ist, so in San Francisco und Berlin. Richtet sich der Preis nach der Auslastung, gleicht er Angebot und Nachfrage aus. Das ist gerechter als eine feste Gebühr, deren Herleitung niemand nachvollziehen kann. Handyparken über Apps macht minutengenaue Abrechnung und solche Preise im Alltag möglich. In Köln-Nippes zeigten LED-Tafeln an Laternen 2020 die freien Plätze an.
Einheitliche Zonen statt vieler Schilder
München markiert Parkzonen mit blauen Linien auf der Fahrbahn, Ladezonen orange. Innerhalb einer Zone gilt eine einheitliche Regel, 2015 etwa eine Höchstparkdauer von zwei Stunden tagsüber. Autofahrer müssen dadurch weniger Verkehrszeichen deuten, und die Regeln sind leichter einzuhalten.
Private Stellplätze einbeziehen
Gut die Hälfte der Parkplätze in Kernstädten ist in privater Hand. Mitarbeiter- und Kundenparkplätze stehen abends und am Wochenende oft leer. Parkplatz-Sharing über Apps macht sie zeitweise öffentlich nutzbar. Ein Parkraumkonzept, das nur den Straßenrand betrachtet, lässt dieses Potenzial liegen.
Quartiersgaragen und Mobilstationen
In dicht bebauten Wohnvierteln bündeln Quartiersgaragen die Autos der Anwohner in einem Gebäude. Am Straßenrand wird Platz frei für Gehwege, Radwege, Bäume, Lieferzonen oder eine Mobilstation mit Carsharing und Leihrädern. Wie das funktioniert, steht auf der Seite Quartiersgaragen.
Die Stellplatzsatzung
Über die Stellplatzsatzung legt die Kommune fest, wie viele Stellplätze Bauherren pro Wohnung schaffen müssen, oder sie lässt sie sich davon freikaufen. Ist der Schlüssel zu niedrig, parken die Bewohner auf der Straße, bei hohem Parkdruck oft ordnungswidrig. Ist er zu hoch, macht er den eigenen Pkw attraktiver. Der richtige Wert ergibt sich aus dem Mobilitätsangebot vor Ort und dem sozialen Umfeld des Bauvorhabens.
Bewohnerparken: Was ein fairer Preis ist
Ein Bewohnerparkausweis kostete in Deutschland lange höchstens 30,70 Euro im Jahr, also rund 2,56 Euro im Monat. Ein privater Stellplatz oder eine Garage wird dagegen oft für 50 Euro und mehr im Monat vermietet. Der niedrige Preis bildet die Knappheit des öffentlichen Raums nicht ab. Stockholm verlangte 2018 rund 827 Euro im Jahr.
Inzwischen können die Länder die Gebühren selbst festlegen oder diese Befugnis an die Kommunen weitergeben. Roman Suthold hält das für richtig, unter drei Bedingungen. Die Gebühr steigt nur dort, wo der Parkdruck hoch ist. Sie folgt nachvollziehbaren Kriterien. Und es gibt eine Obergrenze.
„Mobilität muss bezahlbar bleiben!“
Was Wien und Utrecht anders machen
Wien bewirtschaftet 39 Prozent seiner Straßenkilometer, München 14 Prozent und Berlin 8 Prozent. Die Kurzparkgebühr in Wien stieg 2017 von 1,20 auf 2,10 Euro pro Stunde und ist im Vergleich zu deutschen Großstädten eher moderat. Wien hat zugleich über Jahrzehnte den öffentlichen Verkehr ausgebaut, alle 300 Meter soll eine Haltestelle liegen. Die bewirtschaftete Fläche ist dort also wichtiger als der Preis. Zusammen mit guten Angeboten wirkt sie stärker als hohe Gebühren und findet eher Mehrheiten.
Utrecht teilt die Stadt seit den 1980er Jahren in Zonen ein. Je zentraler ein Standort und je besser er mit Bus und Bahn erreichbar ist, desto weniger Stellplätze gibt es und desto höher ist der Preis. Eins zu eins übertragbar ist das nicht. In den Niederlanden kritisieren Wirtschaft und ländliche Gemeinden das starre Zonenmuster. Jede Stadt braucht ein eigenes Konzept, das zu ihrer Mobilitätskultur passt.
Parken und Verkehrssicherheit
Rund 18 Prozent der innerörtlichen Unfälle mit Fußgängern oder Radfahrern stehen im Zusammenhang mit dem Parken, zwei Drittel davon betreffen Radfahrende. Die häufigste Ursache mit 17 Prozent sind sich öffnende Autotüren, das sogenannte Dooring. Auf Hauptverkehrsstraßen zählen die Unfallforscher pro Kilometer 20 Prozent mehr Unfälle im Zusammenhang mit parkenden Autos als in Erschließungsstraßen. Abhilfe schaffen Sicherheitstrennstreifen zwischen Parkständen und Radweg und Parkstände, die rechtzeitig vor Kreuzungen und Einfahrten enden.
Was Kommunen jetzt tun sollten
- Die Auslastung messen, bevor Preise und Regeln festgelegt werden
- Erst Angebote schaffen, dann einschränken: Pull vor Push
- Die bewirtschaftete Fläche ausweiten, das wirkt stärker als höhere Gebühren
- Preise nach Ort und Zeit staffeln und offen begründen
- Private Stellplätze und Parkhäuser in das Konzept aufnehmen
- Bewohnerparken nach Parkdruck bepreisen, mit Obergrenze
- Quartiersgaragen bauen und zu Mobilstationen ausbauen
- Maßnahmen revidierbar halten und mit Daten überprüfen
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Parkraumbewirtschaftung und Parkraummanagement?
Parkraumbewirtschaftung meint die Regeln und Gebühren für das Parken im öffentlichen Straßenraum. Parkraummanagement ist weiter gefasst und bezieht private Stellplätze, Parkhäuser, Quartiersgaragen, digitale Parkinformation und die Stellplatzsatzung mit ein.
Wie viel Parksuchverkehr lässt sich vermeiden?
Modellprojekte wie ParkPilot in Köln haben gezeigt, dass sich bis zu 50 Prozent des Parksuchverkehrs vermeiden lassen. Das entlastet besonders die Wohnviertel, in denen heute viele Autos auf der Suche nach einem freien Platz kreisen.
Was kostet ein Bewohnerparkausweis?
Lange galt bundesweit eine Obergrenze von 30,70 Euro im Jahr. Seit die Länder die Gebühren selbst regeln dürfen, unterscheiden sich die Preise von Stadt zu Stadt.
Ist ein höherer Parkpreis allein die Lösung?
Nein. Der Preis ist eine wichtige Stellschraube. Wirksamer ist es, die bewirtschaftete Fläche auszuweiten und gleichzeitig Bus, Bahn, Rad und Sharing attraktiver zu machen. Bequemlichkeit sticht Moral!
Quellen
- Suthold, R.; Krusche, M. (2020): Flächenkonkurrenz im begrenzten Straßenraum. KommunalPraxis spezial 3/2020, S. 116 bis 121
- Koch, H.; Suthold, R. (2015): Innovatives Parkraum-Management und -Pricing. Städte- und Gemeinderat 7-8/2015, S. 16 bis 18
- Kampmeier, P.; Koch, H.; Mußmann, G.; Suthold, R. (2015): Smartes Parkraummanagement und Mobilitätsstationen. DER NAHVERKEHR 3/2015, S. 48 bis 52
- Suthold, R. (2020): Parken aus wissenschaftlicher Sicht. Vortrag beim Mobilitätsgespräch „Parken im städtischen Umfeld“, 3. November 2020
- AGFS (2015): Parken ohne Ende. Krefeld; FAT (2015): Auskunft über verfügbare Parkplätze in Städten. Berlin
- INRIX (2017): Parkplatzsuche in Deutschland; Agora Verkehrswende (2018): Öffentlicher Raum ist mehr wert
- GDV, Unfallforschung der Versicherer (2020): Unfallrisiko Parken für Fußgänger und Radfahrer; civity (2020): Parken für Fortgeschrittene
Persönliche fachliche Auffassung von Roman Suthold. Stand: 5. Oktober 2026.