Quartiersgaragen: Autos ins Parkhaus, Platz auf der Straße

Kurz gesagt

Eine Quartiersgarage ist ein Parkhaus oder eine Tiefgarage für die Bewohner und Besucher eines Viertels. Sie nimmt die Autos vom Straßenrand und schafft dort Platz für Gehwege, Radwege, Bäume und Lieferzonen. Damit sie genutzt wird, müssen Preis, Lage und die Alternativen zum eigenen Auto zusammenpassen.

über 60Quartiersgaragen gibt es allein in DüsseldorfSuthold/Krusche 2020
10 bis 15 %weniger Flächenverbrauch in der autofreien Siedlung Köln-NippesKleinmann 2020
0,5Stellplätze pro Wohnung gelten im Zentrum von Utrecht als RichtwertABC-Planung Utrecht

Was eine Quartiersgarage ist

Eine Quartiersgarage bündelt die Stellplätze eines Wohnviertels in einem Gebäude, oberirdisch als Parkhaus oder unter der Erde. Anders als die Tiefgarage eines einzelnen Hauses steht sie allen Bewohnern des Viertels offen und oft auch Besuchern. Sie lohnt sich vor allem in dicht bebauten Vierteln mit hohem Parkdruck und wenigen privaten Stellplätzen.

Was sie bringt

Wenn die Autos in der Garage stehen, können Parkstreifen am Straßenrand wegfallen. Der gewonnene Platz steht für breitere Gehwege, sichere Radwege, Bäume, Lieferzonen oder eine Mobilstation zur Verfügung. Den Baukosten steht also der Wert der Fläche gegenüber, die im Straßenraum frei wird.

Quartiersgaragen wickeln den ruhenden Verkehr auf weniger Fläche ab. In der autofreien Siedlung in Köln-Nippes ist der Flächenverbrauch dadurch um 10 bis 15 Prozent gesunken.

Auch das Verhalten ändert sich. Liegt das eigene Auto ein paar Minuten entfernt in der Garage, die Haltestelle oder das Leihrad aber vor der Haustür, wird der Umstieg wahrscheinlicher. Die Wege zu Bus, Bahn und Rad müssen deshalb kürzer sein als der Weg zur Quartiersgarage. Bequemlichkeit sticht Moral!

Beispiele

Köln-Nippes

Die autofreie Siedlung in Köln-Nippes deckt ihren Parkbedarf über eine Quartiersgarage am Rand des Viertels. Die Garage lässt sich nach Bedarf erweitern oder verkleinern.

Düsseldorf

Düsseldorf zählte 2020 bereits über 60 Quartiersgaragen.

Utrecht

Utrecht plant Stellplätze nach Zonen. Im dicht bebauten Zentrum gilt ein Richtwert von 0,5 Stellplätzen pro Wohnung. Geparkt wird in Gebäuden oder in der Nähe, Besucherausweise und eine zweite Parkgenehmigung gibt es dort nicht, und das Parken kostet mehr als in den äußeren Zonen.

Vom Parkhaus zur Mobilstation

Eine Quartiersgarage kann mehr als Autos abstellen. Als Mobilstation bündelt sie Carsharing, Leihräder, sichere Fahrradplätze und Ladesäulen an einem Ort. Eine Möglichkeit ist, die Autos unterirdisch zu parken und Car- und Bikesharing gut sichtbar und auf kurzen Wegen auf oder in der Garage anzuordnen. Planungshilfe bietet das Handbuch Mobilstationen des Zukunftsnetzes Mobilität NRW. Hamburg hat schon 2015 an seinen switchh-Punkten S-Bahn, Bus, Leihräder, Carsharing und Fahrradstellplätze an einem Standort verknüpft.

Beim Carsharing empfiehlt Roman Suthold stationsbasierte Angebote. Wer in der Quartiersgarage verlässlich ein Auto buchen kann, verzichtet eher auf den eigenen Pkw, und das entlastet den Parkraum. Free-Floating-Carsharing senkt den Parkdruck dagegen kaum, weil die Fahrzeuge überall im Viertel abgestellt werden.

Fahrräder werden hochwertiger, und es werden mehr. Ihre Besitzer brauchen sichere, möglichst überdachte Abstellplätze. Eine Quartiersgarage kann sie bieten.

„Öffentlicher Verkehr wird individueller und individueller Verkehr wird öffentlicher.“

Damit die Garage nicht leer bleibt

  • Der Preis muss passen. Wo ein Bewohnerparkausweis nur wenige Euro im Monat kostet und ein Garagenplatz 50 Euro und mehr, bleibt der Straßenrand die günstigere Wahl.
  • Unterschiedliche Tarife. Tag- und Nachtnutzung, Kurz- und Langzeitmiete, feste und flexible Plätze sprechen Anwohner und Besucher gleichermaßen an.
  • Erst das Angebot, dann die Einschränkung. Zuerst muss die Garage stehen und die Mobilstation funktionieren. Danach fallen Parkstände am Straßenrand weg.
  • Kurze Wege zu den Alternativen. Haltestelle, Leihrad und Carsharing liegen näher an der Wohnung als der eigene Stellplatz.
  • Teil eines Gesamtkonzepts. Die Quartiersgarage wirkt stärker zusammen mit einer Parkraumbewirtschaftung im ganzen Viertel.

Häufige Fragen

Was ist eine Quartiersgarage?

Ein Parkhaus oder eine Tiefgarage, die die Stellplätze eines Wohnviertels bündelt. Sie steht den Bewohnern des Viertels offen und oft auch Besuchern.

Was ist der Unterschied zwischen einer Quartiersgarage und einer Mobilstation?

Die Quartiersgarage nimmt Autos auf. Eine Mobilstation verknüpft mehrere Verkehrsmittel an einem Ort, etwa Bus und Bahn, Carsharing, Leihräder und Ladesäulen. Eine Quartiersgarage lässt sich zu einer Mobilstation ausbauen.

Für welche Viertel lohnt sich eine Quartiersgarage?

Vor allem für dicht bebaute Wohnviertel mit hohem Parkdruck, in denen viele Autos am Straßenrand stehen und Platz für Gehwege, Radwege oder Grün fehlt.

Quellen

  • Suthold, R.; Krusche, M. (2020): Flächenkonkurrenz im begrenzten Straßenraum. KommunalPraxis spezial 3/2020, S. 116 bis 121
  • Koch, H.; Suthold, R. (2015): Innovatives Parkraum-Management und -Pricing. Städte- und Gemeinderat 7-8/2015, S. 16 bis 18
  • Suthold, R. (2020): Parken aus wissenschaftlicher Sicht. Vortrag beim Mobilitätsgespräch „Parken im städtischen Umfeld“, 3. November 2020
  • Suthold, R. (2025): Notwendiger Autoverkehr in Köln. Vortrag im Bürgerrat der Stadt Köln, 25. März 2025 (Beispiel Utrecht)
  • Kleinmann (2020): Autofreie Siedlung Köln. Von der Zukunft eingeholt? Rheinschiene Nr. 65, VCD NRW
  • Zukunftsnetz Mobilität NRW (2017): Handbuch Mobilstationen Nordrhein-Westfalen

Persönliche fachliche Auffassung von Roman Suthold. Stand: 5. Oktober 2026.